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Ehrenamt

«Alle müssen wissen, dass ihr Beitrag wahrgenommen und geschätzt wird»

Viele Jahre präsidierte Marcel Andris den Segel- und Yachtclub Herrliberg und ist noch immer aktiver Segler. Für den ZKS-Geschäftsbericht 2009 stellte er sich den Fragen zu Ehrenamt und Segeln.

Welche Bedeutung hat das Ehrenamt im Segelsport?

Marcel Andris: Wir brauchen ehrenamtliche Tätigkeit in fast allen Funktionen des Clubs. Neben dem Segeln auch in der Organisation von Regatten. In der Schweiz ist der Segelsport über sehr weite Strecken vom Ehrenamt geprägt.

Ist es im Ausland anders?

Wie wir es erleben schon, da gibt es Leute im Anstellungsverhältnis. Grosse Clubs haben eine Infrastruktur, für die Vollzeitangestellte nötig sind. So kommt ein anderer Stil auf. Das zieht sich hin bis zu den Mannschaften, die grosse Schiffe segeln, auch mit professionellen Seglern. Das ist der Grund, weshalb gewisse Schiffe immer gewinnen – weil sie bessere Leute haben. Aber wir am Zürichsee, in unserer Region, sind auf ehrenamtlichen Einsatz abgestützt.

Der Segel- und Yachtclub Herrliberg hat rund 160 Mitglieder. Gibt es da immer genügend Helfer?

Das Helfen in einem Club ist immer eine Herausforderung, namentlich bei grösseren Veranstaltungen. Wir haben treue Helfer, doch der Club wird nicht jünger. Die jüngeren Mitglieder sind teilweise ambitionierte Regattasegler und wollen lieber auf dem Wasser mitfahren. Das führt zu Doppelbelastungen und -interessen. Auf dem Zürichsee hat sich glücklicherweise eine neue Kultur entwickelt. Befreundete Clubs wie wir und der Segelclub Stäfa organisieren Anlässe gemeinsam.

Der Segelsport feierte unter anderem dank Alinghi und dem Starboot-Duo Marazzi / De Maria Erfolge. Hat sich dies auf die Mitgliederzahl ausgewirkt?

Eine Wirkung spüren wir bei der Wahrnehmung des Segelns. Es wird heute als Sport taxiert. Das war vor einigen Jahren viel weniger der Fall. Wenn man da von Segeln und Sport sprach, erntete man ein müdes Lächeln. Das Boot galt als Spielzeug reicher Leute. Dank der Medienpräsenz und den TV-Übertragungen hat man realisiert, dass Segeln ein beinharter Sport sein kann.

Noch immer hat Segeln das Image, ein Sport für Reiche zu sein. Haben wohlhabendere Leute überhaupt Lust, ehrenamtlich zu arbeiten?

Ich denke nicht, dass Segler in Bezug auf ehrenamtliche Tätigkeit zurückhaltender sind als andere. Es gibt aber andere Voraussetzungen. Beim Segeln braucht mehr Leute als in einem Fussballtraining, wo eine Person mit 15 oder gar 20 Kindern ein Training bestreiten kann. Bei uns ist bei acht Kindern pro Person die oberste Limite erreicht, nur schon aus Sicherheitsgründen.

Der Unterhalt der Boote, des Clubhauses braucht sicher auch viel Zeit?

Aber es macht den Leuten auch Spass. Unsere Clubhaus-Putzete im Frühling und Herbst findet immer grossen Anklang. Das ist ein Treffen, bei dem alle mit viel Einsatz helfen.

Im Zusammenhang mit Ehrenamt fällt immer der Begriff Wertschätzung. Wie halten Sie es in dieser Beziehung?

Ehrenamtliche Arbeit wie Vorstands- und Trainertätigkeit wird bei uns nicht abgegolten. Bei Einsätzen an Festen erhalten die Helfer Gutscheine für Getränke. Nach grösseren Anlässen führen wir einen Helferznacht durch, an dem wir den Anlass Revue passieren lassen. Wertschätzung muss in einem Club zur Kultur werden. Alle müssen wissen, dass ihr Beitrag gefragt ist. Und dass dieser wahrgenommen und geschätzt wird. Man kann gegenüber den Mitgliedern nie oft genug erwähnen, dass viele Dinge ohne ihren freiwilligen Einsatz nicht möglich wären.

Könnte Ihr Segelclub ohne die Helfer überleben?

Es würde ihn weiterhin geben, aber unserem Credo, Sportanlässe und Regatten für andere durchzuführen, könnten wir nicht mehr gerecht werden. Man soll nicht Mitglied sein, indem man einen hohen Jahresbeitrag bezahlt. Als Mitglied soll man mit Freiwilligenarbeit dazu beitragen, dass der Club lebt. Das würde verloren gehen und hätte eine dramatische Änderung der Clubkultur zur Folge. Wir würden wie ein «Club Méditerranée» funktionieren: Die Leute kommen, zahlen, wollen unterhalten werden und gehen wieder. Das soziale Element würde verschwinden.

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