
Sportpolitik
Geschäftsbericht 2024: Wie die Politik den Sport fördert
Sport verbindet: Das ist viel mehr als eine abgedroschene Phrase oder eine Plattitüde. Dies zeigt sich Anfang November 2024 bei einem Augenschein bei der letzten Sitzung des Jahres der Parlamentarischen Gruppe Sport des Zürcher Kantonsrats unter der Leitung ihres Präsidenten, SVP-Kantonsrat Daniel Wäfler, und ZKS-Geschäftsführerin Josy Beer.

Von links nach rechts: Stephan Weber, Karin Fehr Thoma, Domenik Ledergerber, Josy Beer, Andrea Gisler, Christina Zurfluh Fraefel (vorne), Jacqueline Hofer, Thomas Wirth, Daniel Wäfler, Alexander Jäger, Michael Bänninger, Christoph Fischbach.
Es ist ein Frühstart an diesem späten Montagnachmittag im Rathaus Hard in Zürich. Daniel Wäfler eröffnet die Sitzung der Kerngruppe der Parlamentarische Gruppe Sport (PGS), in der mindestens eine Vertreterin oder ein Vertreter pro Fraktion – bei grösseren Fraktionen zwei oder drei – Einsitz nehmen, eine Minute vor der geplanten Zeit. Es ist ein Frühstart, der für einmal ohne Sanktionen bleibt. Stattdessen werden die folgenden 50 Minuten perfekt genutzt, um sich miteinander übers Jahresprogramm auszutauschen und Details zu besprechen.
Beispielsweise ob der Kantonsratslauf vor oder nach der Kantonsratssitzung stattfinden soll, damit auch Zeit für ein paar gesellige Momente vorhanden ist. Oder ob der Mountainbike-Anlass im Jahresprogramm 2025 bleiben oder durch einen anderen Event am oder im Wasser ersetzt werden soll. Auch um für aktuelle Probleme wie Einschränkungen der Nutzung der Seen für Wassersportvereine durch auslaufende Konzessionen oder erschwerte Zugänge zu sensibilisieren, wie Christina Zurfluh Fraefel (SVP) vorschlägt.
Brücken zwischen Sport und Politik
Es sind in diesem Moment kleine Puzzleteile, die sich irgendwann zu einem grossen Bild zusammenfügen sollen, das dem Breitensport im Kanton Zürich hilft. Die PGS zeichnet sich durch überparteiliches Engagement für den Sport im Kanton Zürich aus, lautet der Kurzbeschrieb des Sinns und Zwecks.
Definierte Ziele sind die Stärkung des Kinder-, Jugend- und Breitensports, insbesondere im organisierten Sport, die Unterstützung von Sportorganisationen bei sportpolitischen Themen, das Schaffen von optimalen Rahmenbedingungen für den Sport, der regelmässige Austausch mit dem ZKS und die Sicherung der Sportfondsmittel. Oder anders gesagt: der Bau sowie das Nutzen von Brücken zwischen Sport und Politik, das Suchen und Umsetzen des Dialogs zwischen verschiedenen Anspruchsgruppen, immer zum Wohl des Breitensports, und – im Idealfall – bevor sich allfällige Fronten verhärten.
Kampf gegen invasive Organismen
Was in der Theorie einigermassen kompliziert tönt, wird in der Praxis schneller verständlich. Da ist das Beispiel des Japan-Käfers, der im Juni/Juli 2023 in Kloten entdeckt wurde, seither sein Unwesen treibt und für dessen Bekämpfung der Kanton rigorose Massnahmen wie ein Bewässerungsverbot vorschrieb, die gerade den Fussballclub auch finanziell hart trafen.
«Für den FC war das verheerend, es stand ab Mai 2024 bis Ende des Jahres nur noch ein Kunstrasenplatz zur Verfügung. Die Naturrasenlätze sind kaputt und auch die finanziellen Auswirkungen sind gravierend», erklärt SP-Kantonsrat Christoph Fischbach, der sich nicht nur in der PGS engagiert, sondern auch seit über einem Vierteljahrhundert im Vorstand des FC Kloten aktiv ist. «Der Bund erklärte, nichts zu bezahlen, weil die gesetzliche Grundlage fehlt. Der Kanton bezahlt aus demselben Grund nichts», sagt er weiter, um dann anzufügen: «In Kloten wurde nun entschieden, zwei neue Kunstrasenfelder zu bauen. Aber nicht alle Gemeinden haben solche Möglichkeiten.»

Leiten die PGS-Sitzung gemeinsam: Josy Beer und Daniel Wäfler. Fotos: Sara Brantschen
Massnahmen wird es wegen des Japan-Käfers wohl weiterhin geben, gleichzeitig ist zu befürchten, dass andere invasive Organsimen für Probleme sorgen werden. Beispielsweise die von Josy Beer erwähnte Quaggamuschel, welche zuletzt den Segelsport wegen des Verbots von Ein- und Auswasserungen zum Stillstand brachte.
Der Tenor ist einhellig: Es muss auch finanziell geholfen werden, wozu es aber kantonal eine gesetzliche Grundlage braucht – und das passende Gefäss. «Es geht um Härtefälle und Breitensport. Es ist ein Thema, das angeschaut werden muss. Die Frage ist jedoch, ob der Sportfonds das geeignete Gefäss ist, dieses ist ein Förderinstrument. Ausfälle zu ‹versichern›, sprengt den Rahmen», fügt Josy Beer hinzu. SVP-Kantonsrat Domenik Ledergerber sagt es folgendermassen: «Entscheidend ist, dass keine Selbstverschuldung eines Klubs vorliegt, sondern dass es eine übergeordnete Massnahme ist, die vom Kanton verfügt wurde. Da braucht es als Kantonoder Regierung die Flexibilität, Geld zu sprechen.»
Mit Herzblut dabei
Der Wille der Beteiligten, den Breitensport zu unterstützen, ist in diesen 50 Minuten jederzeit spürbar. Die Diskussionen sind zielgerichtet, es ist Herzblut vorhanden. «Ich engagiere mich in der PGS, weil ich die Bevölkerung dazu motivieren möchte, sich mehr zu bewegen. Wir sitzen heute alle zu viel, es ist eine grosse Challenge, sich in einer durchgetakteten Zeit die Fenster zu schaffen, um sich zu bewegen – was enorm wichtig ist», sagt Christina Zurfluh Fraefel (SVP).
Stephan Weber (FDP) erklärt seine Motivation so: «Ich war seit meiner Kindheit auch als Leiter im Kunstturnen aktiv, heute bin ich Präsident der Männerriege Wetzikon – der Sport generell ist einfach eine Herzenssache. In der PGS haben wir gute Anlässe, pflegen den Austausch, sprechen Themen an, suchen speditiv Lösungen. Natürlich könnte man immer noch mehr machen, aber es sind alle an diversen Orten stark eingespannt. Ich finde, es läuft gut.»
«Bei uns geht es zuerst um den Sport, das Politische steht zurück. Wenn man miteinander über Gräben hinweg spricht, Brücken schlägt, am gleichen Strick zieht, kann man viel erreichen.»
Daniel Wäfler, PGS-Präsident
Ähnlich sieht es SVP-Kantonsrat Domenik Ledergerber: «Sport bedeutet für mich Emotionen, Freude, Spass. Sport verbindet, es entstehen Freundschaften. Deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, dass wir als Politikerinnen und Politiker den Sport fördern, der für mich auch ein guter Ausgleich zur Politik und Arbeit ist.» Leider hätten sie im Kantonsrat diesbezüglich nicht allzu viele Geschäfte, führt Ledergerber weiter aus. «Doch es ist wichtig, den Sport auf dem Radar zu haben, ihn zu beobachten und den Breitensport einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen.»
Zentrale Rolle in der Gesellschaft
Es sind zahlreiche Aspekte, welche die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft und die Politik verdeutlichen. SP-Kantonsrat Christoph Fischbach bezeichnet den Breitensport als Kitt der Gesellschaft, der Jung und Alt, Leute mit und ohne Migrationshintergrund zusammenhält, was auch für die Integration eminent wichtig ist. «Die Politik kann da sehr viel Einfluss nehmen und helfen, deshalb engagiere ich mich in diesem Bereich.»
Alexander Jäger (FDP) ist derweil der Meinung, dass man sich für den Sport einsetzen sollte, weil er gerade für die Jungen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung sei und man früh auch Führungsfunktionen übernehmen könne, indem man Trainerin oder Trainer wird. Jacqueline Hofer (SVP) betont die Bedeutung der Inklusion: «Sport spielt eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft. Er fördert nicht nur die mentale und physische Gesundheit, sondern auch die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, teilzunehmen und seine Chance zu nutzen. Wir sind eine Gemeinschaft, und darauf kommt es letztendlich an.»
Präsident Daniel Wäfler (SVP) streicht heraus, dass durch die PGS über alle Fraktionen und Meinungen hinweg etwas für den Breitensport gemacht werden kann. «Bei uns geht es zuerst um den Sport, das Politische steht zurück. Wenn man miteinander über Gräben hinweg spricht, Brücken schlägt, am gleichen Strick zieht, kann man viel erreichen.»