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Geschäftsbericht 2024: Die Ausbildung hält die Verbände auf Trab
Die Aus- und Weiterbildung ist ein fester Bestandteil im Vereinssport. Doch die Anforderungen an die Kurse nehmen zu. Und so muss sich auch der ZKS-Fachbereich der Swisslos-Kommission mit komplexen Fragen beschäftigen.

Jede Sportart muss gelernt sein, ob als Athletin oder Funktionär. Darum ist die Ausbildung in Verbänden und Vereinen derart wichtig. Foto: ZTV/Harald von Mengden
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ein Spruch, so passend zum Sport wie kein anderer. Technik, Athletik, Strategie, Resilienz, Spielintelligenz, Wissenstransfer: Alles muss gelernt und verinnerlicht werden, ob als Athletin, Funktionär oder Trainerin. Entsprechend nimmt die Ausbildung einen essenziellen Part im Zürcher Vereinssport ein. Und wird darum auch aus dem ZKS-Verbandsanteil aus dem Swisslos Sportfonds des Kantons unterstützt.
ZKS-Präsident Urs Hutter unterstreicht: «Die regelmässige Ausbildung trägt dazu bei, die professionellen Standards im Sport zu erhöhen und eine nachhaltige Entwicklung der Vereine und Verbände zu gewährleisten.» Qualitätssicherung, Sicherheitsaspekte, Aktualität, Motivation, Bindung, Vereinsentwicklung sowie Compliance und Ethik: All dies seien Gründe, warum Verbände ihre Mitglieder und Vereine regelmässig ausbilden lassen sollten. Was sie auch tun.
Allein im letzten Jahr hat der ZKS über 450’000 Ausbildungseinheiten von Verbänden aus dem Verbandsanteil unterstützt. Dieses System habe sich als stabil, zweckdienlich und zielführend erwiesen, erklärt Hutter. Doch er hält auch fest: «Es kristallisieren sich Themen heraus, die wir diskutieren müssen.» Im Grundsatz ist vor allem etwas zu beobachten: Die Angebotspalette ist überall gross.
Riesige Bandbreite, verschiedene Bedürfnisse
Ein Beispiel: Der Zürcher Turnverband (ZTV) gehört zu den Verbänden mit der grössten Aus- und Weiterbildungslandschaft. Pro Jahr bietet er 50 bis 60 Kurse an, die Bandbreite reicht über 15 Sportarten mit Fokus auf Leiterinnen und Leitern aller Altersstufen.
Unter den Kursen befinden sich nebst den J+S- und esa-Weiterbildungen auch durch den ZKS aus dem Verbandsanteil unterstützte Verbands-, Aus- und Fortbildungen von Wertungs- und Kampfrichtern und Schiedsrichterinnen sowie Fähnrichkurse. Dies verteilt auf Wochenendkurse, Jugendferienkurse oder ganze Ausbildungsblöcke.
Die Liste ist lang – und das bewusst, sagt ZTV-Kommunikationsverantwortliche Renate Ried: «Die Aus- und Weiterbildung ist neben dem Training die Basis für den Erfolg im Sport.» Die Kunst ist es dabei, die passenden Kurse zu organisieren.
Und diese Aufgabe wird laut Ried zunehmend komplexer: «Seit Covid ist es deutlich schwieriger geworden, genügend Kursleitende zu finden.» Die Bereitschaft, neben dem Engagement im eigenen Verein Abende oder gar Wochenenden für andere im Ehrenamt zur Verfügung zu stellen, hat deutlich abgenommen.
De facto ist die Anzahl Kurse seit der Pandemie um einen Drittel zurückgegangen. Zudem hätten sich die Bedürfnisse der Mitglieder verändert, erklärt Ried weiter. Sie beobachtet, dass Teilnehmende nicht mehr so viel Zeit aufwenden wollen – vor allem für obligatorische Kurse. Der Fokus liegt vielmehr auf der Individualität: «Jeder Kurs muss auf das eigene Bedürfnis zugeschnitten sein.»
Externe Angebote als Herausforderung
Der ZTV zeigt exemplarisch: Die Verbände sind vermehrt gefordert, wollen sie eine adäquate Ausbildung gewährleisten. Insbesondere kleinere Verbände stossen dabei ressourcentechnisch an ihre Grenzen – und organisieren entsprechend Kurse über Externe.
«Im Fachbereich Ausbildung beobachten wir eine zunehmende Nutzung von kommerziellen Anbietern, bei denen Ausbildungsleistungen eingekauft werden», sagt Urs Hutter. Ein Trend, der jedoch Diskussionen innerhalb des Fachbereichs auslöst. Denn: Diese Form der Ausbildung widerspricht dem ZKS-Anspruch, dass die Verbände ihre Ausbildungen selbst organisieren und erbringen.
Hutter fügt an, dass der Umgang mit dieser Thematik jedoch nicht schwarzweiss ist. Teils seien die Gründe komplexer als (nur) fehlende Ressourcen: «Bei einigen Verbänden sind es strukturelle Fragen, die Schwierigkeiten verursachen können, und darum werden externe Anbieter beauftragt.»
Dann gebe es solche, die sicherheitsrelevante Module bei kommerziellen Anbietern buchen müssen, weil diese Ausbildungen vom Bund vorgeschrieben werden. Diese Verbände hätten keinen Spielraum und der ZKS unterstütze darum diese Ausbildungen.
«Verbände könnten sich überlegen, ob sie ihre Ausbildungen mit grösseren Verbänden gestalten wollen. Für viele Themen wäre das sportartenübergreifend möglich.»
Urs Hutter, Präsident des ZKS
So oder so sucht der ZKS mit allen Verbänden, bei welchen die Kursorganisation mit externen Anbietern Thema ist, das Gespräch. Denn Lösungsansätze für kleinere Verbände gebe es sicherlich, erklärt Hutter. «Sie könnten sich beispielsweise überlegen, ob sie ihre Ausbildungen mit grösseren Verbänden, im Rahmen von Ausbildungskooperationen, gestalten wollen. Für viele Themen wäre das sportartenübergreifend möglich.»
Dadurch bestehe die Chance, den Aufwand zu reduzieren und auch genügend Teilnehmende für die Kurse zu finden sowie vom Erfahrungsschatz anderer Verbände zu profitieren.
Prüfung der Unterstützung
Summa summarum hält das Thema Ausbildung die Verbände auf Trab. Der Grat zwischen optimalem und übergrossem Aufwand ist schmal. Der ZTV muss beispielsweise den Spagat zwischen individuellen Kursen und beschränkten Ressourcen schaffen.
Und der ZKS-Fachbereich Ausbildung ist ebenfalls gefordert, wie die Diskussion um die externen Anbieter zeigt. «Wegen solchen Themen prüfen wir nun auch – nach rund 10 Jahren – das gesamte Konstrukt der Ausbildungsunterstützung auf seine Wirksamkeit. Wo es Optimierungspotenzial gibt, wollen wir dieses identifizieren und sinnvolle Veränderungen erarbeiten», erklärt Hutter.
Schlussendlich möchte man mit allen Verbänden zielgerichtete und pragmatische Diskussionen führen. «Bei Unklarheiten oder auch neuen Bedürfnissen, die der ZKS vielleicht noch nicht abdeckt, stehen unsere Verbandscoaches zur Verfügung», sagt Hutter.
Die Anforderungen an die Verbände im Bereich Ausbildung werden nämlich nicht weniger. «Wichtig scheint mir, dass jeder Verband für sich die Antwort findet, wo er die Grenze zwischen Ehrenamt und Professionalität zieht. Der ZKS wiederum stellt dann die für jeden Verband passende Unterstützung bereit.»